Bewusstseinstexte Dr. W.-J. Maurer

Wie deprimiere ich mich richtig?

– wie Menschen sich das Leben zur Hölle machen

Zugegeben – das Leben kann manchmal ganz schön hart sein. Aber in der Therapie erlebe ich sehr oft Menschen, die Meister darin sind, das Leben alles andere als leicht zu nehmen und sich immer wieder selbst ein Bein stellen und mit dem Knüppel auf den Kopf hauen. Nach dem Motto meines Vortrages: „Wie deprimiere ich mich richtig!“ sind sie selbst es, die sich das Leben zur Hölle machen. Sie nehmen die Welt und Ihre Mitmenschen mit ganz eigenen Filtern wahr und konstruieren sich durch ihr Denken, Werten, Urteilen und Interpretieren eine Privat-Welt, gegen die sie dann ankämpfen, die sie vermeiden oder der sie sich in einer Opfermentalität im vorauseilenden Gehorsam unterwerfen. Und dann leiden sie stumm oder klagen darüber. Wir alle konstruieren unsere Welt durch unsere Denkfilter. Es gibt keine objektive Wahrnehmung. Wahrnehmung ist Projektion. Wir geben unseren Sinneseindrücken subjektive Bedeutung entsprechend unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit, unseren damit zusammenhängenden Ängsten und Wünschen die wir als Bewertungsschablonen wie einen Schleier über die Welt da draussen werfen. Wir sind deshalb alle mehr oder weniger verrückt-je nach unseren Ängsten ver-rücken wir die Wirklichkeit mehr oder weniger. Unsere Gedanken werden unsere Wirklichkeit. Das Leben, das wir heute führen, ist das Ergebnis der Gedanken, die wir in den letzten Jahren gedacht haben. Buddha sagte: „Du wirst morgen sein, was Du heute denkst.“ Wir reagieren nicht auf das Leben, wie es ist, sondern auf die Bedeutung, die wir ganz subjektiv und persönlich den Dingen und anderen Menschen geben. Und unsere Gesundheit befindet sich in einem Fließgleichgewicht und hängt nach der Forschung der Salutogenese (was Menschen gesund hält) nach Antonovsky vor allem von der Beantwortung dreier Fragen ab: von unserem Verständnis („Verstehe ichgerade, was passiert?“), von dem erlebten Sinn („Geht es hier um etwas, was mich wirklich berührt?“)und von der Bewältbarkeit („Sehe ich einen klaren weg, zu bekommen, was will?). Verstehbarkeit, Eindruck von Bewältbarkeit und sinnvoller Bedeutungsgebung halten uns als geistige sinnorientierte Wesen also gesund-auch insbesondere im Stress (Stressresilienz oder Widerstandsfähigkeit). Wir entdecken in der Therapie Tatsachenverdreher, Verrenkungsdeuter, Katastrophendenker,Dramatisierer, Schwarz-Weiß-Maler Versicherungsdenker, Muss-Denker, Gerechtigkeitsapostel, Pauschalisierer und Verallgemeinerer, Selbstschutzexperten, Menschenwertbestimmer, Vergleicher und Punktekämpfer sowie Applausfetischisten und Anerkennungsjunkies, aber auch verantwortungslose Untertanen, gelernte professionelle Opfer und erwachsene Küken.

Aber denken wir alle immer wieder daran, zu prüfen, ob wir im inneren Frieden sind oder ob unsere gedanklichen Bewertungen uns in emotionale Turbulenzen versetzen. Denn wie wir denken, so fühlen wir auch-und meist handeln wir auch entsprechend-ob hilfreich oder selbstschädigend. Und erzählen uns im Kopf immer wieder dieselben Problemgeschichten, an die wir glauben und so viel Leid bei uns und anderen erzeugen.

Deine Gedanken werden Deine Wirklichkeit. Deshalb sind neue Gedanken der stärkste Hebel für Veränderung. Kultiviere was Dich stärkt und verbindet und lass weg, was dich schwächt. Du kannst Dich jederzeit für inneren Frieden entscheiden und das Glück, statt fürs Beharren, Recht zu haben, dich zu trennen, zu attackieren und zu kämpfen.

Ja-man kann sich ärgern. Jeder hat das Recht dazu. Aber niemand ist dazu verpflichtet.

Hier möchte ich mal wieder an die bekannte Geschichte von Paul Watzlawick aus dessen schön humorvollem und immer wieder lesenwertem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ erinnern:

 

Der Mann mit dem Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“.

(aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

 

Drama, Drama, Drama, Baby!!!

Viel Erfolg!

Basteln Sie weiter an Ihrer Wirklichkeit

Ihr Dr. med. Wolf-Jürgen Maurer

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Weiterführende Hörbücher.

 

PSS Band 8, Depression (mit Anleitung: Wie deprimiere ich mich richtig)

und

PSS 3, 7, 13, 14, 18, 19, 23, 26

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