Bewusstseinstexte Dr. W.-J. Maurer

Leiden durch Verstrickung mit unseren Gedanken

von Dr. Wolf-Jürgen Maurer

 

Mensch sein bedeutet, verloren sein in Gedanken.

Wahrnehmung ist Projektion. Die individuelle Welt ist Projektion.

Es gilt: Es geschehe dir nach deinem Glauben.

Und nur die Wahrheit wird uns freimachen.

Angst entsteht durch den Glauben an Worte, denn Worte sind Vor-Stellungen von „Selbst“ und „Anderen“, gedankliche Konzepte und Geschichten, die wir über die Wirklichkeit, über die Realität werfen.

Menschen leben in ihren Geschichten.

Angst kannst du nur mit einer Geschichte über die Zukunft haben.

Angst ist die Folge der Projektion einer interpretierten Vergangenheit in ein mentales Schreckensszenario der Zukunft.

Immer wenn du im Unfrieden bist,glaubst du an einen Gedanken,der nicht wahr ist und leistest Widerstand gegen das, was ist. Du identifizierst dich mit deinem unhinterfragtem automatischem Denken,verlierst dich im inneren gedanklichen Lärm und kämpfst mit deinen Sollte/Müsste-Gedanken gegen die Realität. Du glaubst an deine konstruierte Problemgeschichte, siehst die Welt durch die Brille deiner Urteile und erzeugst so Trennung und damit Schmerz,Angst und Unfrieden.

Der Glaube an stressige Gedanken erzeugt schmerzliche Gefühle und körperliche Energiebereitstellung:

Stressige Gedanken wie: „Ich will bzw. Ich will nicht …; Ich brauche …; Er sollte …; Sie sollte nicht …; Ich kann nicht …;Ich trau mich nicht…“

Nur wenn wir uns mit dem Verstand identifizieren, tritt die falsche illusionäre Welt des Leidens in Erscheinung.

Und mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.

Achtsamkeit ist eine Möglichkeit, sich in den Raum zwischen dem Denken eines stressigen Gedankens und dem Glauben eines Gedankens zu begeben.
Hierfür ist die Verankerung im Zeugenstand des beobachtenden Selbst, der inneren Präsenz notwendig.

Wir können uns dann fragen:

Ist dieser Gedanke hilfreich für meine werteorientierte Lebensgestaltung?
Oder ist er nicht hilfreich?

Wer bin ich mit dem Glauben an diese Geschichte?
Und wer wäre ich ohne den Glauben an diese Geschichte?

Zwischen Reiz und Reaktion liegt die menschliche Freiheit!

Schmerzliche Gefühle weisen uns den Weg zur Selbsterkenntnis:

Nur wenn wir keinen Widerstand gegen unsere Gefühle leisten, radikal alles akzeptieren, was ist, befreien wir uns von illusionären stresserzeugenden Überzeugungen, die wir dann in Ruhe beobachten und hinterfragen können.

So lange wir in dieser Welt leben, ist Schmerz unvermeidlich;
Leiden allerdings ist optional, denn Leiden entsteht durch Schmerz x Widerstand.

Durch die mentale Erschaffung von Vergangenheit und Zukunft erschaffen wir Menschen uns eine leidvolle Geschichte, ein illusionäres Bild vom Selbst und von Anderen, die uns gefangen nimmt. Durch das Üben innerer Präsenz, d. h. gegenwärtig sein ohne zu denken, ohne uns mit unserem zwanghaftem Denken und den automatischen Gedanken zu verstricken, steht uns der Weg offen in die Freiheit, in Frieden und Zu-Frieden-heit.

Dazu ist Selbstbeobachtung, Stille und achtsame Wahrnehmung der Gegenwart,
Fühlen des inneren Körpers und der durch gedankliche Bewertungen in Bewegung kommenden Gefühlsenergien
sowie radikale Akzeptanz von allem, was ist, eine wesentliche Hilfe.

Klare präsente Gegenwärtigkeit beendet den leiderzeugenden Traum meiner illusionären Vorstellungswelt.

Probleme, die durch eine Ist-Soll-Diskrepanz unseres zwanghaften Denkers, mit dem wir uns identifizieren, entstehen, lösen sich auf.

Wir beziehen dann unsere Identität nicht mehr aus der Vergangenheit, durch unsere Opfergeschichte, und projizieren uns nicht ständig fluchtartig mit starren Erwartungen in die Zukunft, um die Gegenwart und aktuelle Beziehungen nur als Mittel zum Zweck zu benutzen.

Denn sonst pendeln wir Menschen nur zwischen negativer Erinnerung, Befürchtung und Hoffnung.

Der Gedanke „Ich fürchte, in der Zukunft zu verlieren …“ verstrickt mich in eine negative, ängstliche Selbsthypnose;
oder mit dem Gedanken „Ich wünsche mir und ich brauche für mein Glück von der Zukunft…“ verdamme ich mich zu einem Leben des ewigen Wartens, auf Erfüllung und Erlösung, in einer imaginären, nie eintretenden Zukunft.

Ich werde so Gefangener einer psychischen Zeit ohne Erfüllung.

Die Identifizierung mit einem gedanklichen Selbstkonzept, mit dem zwanghaften Denker in uns, der ständig Probleme konstruiert, die er dann zu lösen versucht und damit leidvolle Geschichten erschafft, gelingt nur durch Beobachten dieses Denkers, Dis-Identifikation mit der inneren Wortmaschine unseres konditionierten Verstandes und dem achtsamen akzeptierenden Wahrnehmen von allem was gerade innerhalb und außerhalb von mir geschieht.

Der Ausstieg aus meinen zwanghaften Problemgeschichten, die ich über die Realität werfe, bedeutet meine Selbstbefreiung und die Möglichkeit, mit allem verbunden zu sein, von dem ich mich vorher schmerzlich getrennt habe.

Dann leben wir nicht mehr in einer Ego-Welt der Angst, des Mangels und des Vergleichens und der Konkurrenz, sondern in einer Welt der liebevollen-freudvollen Verbundenheit.

Ändern wir also nicht die Welt, sondern unser Denken über die Welt.
Dann sind wir in der Welt, aber nicht von der Welt.
Dies ist die einzige reale Wahl, die wir Menschen als geistige Wesen haben.
Es geschehe Dir nach Deinem Glauben…

 

Dr. Maurer

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